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GENUSSFAHRT: IM MG ZU DEN OBAUERS

Autorenbild: Peter Pisecker
Peter Pisecker
vor 6 Minuten
4 Min. Lesezeit

Die Brüder Karl und Rudolf Obauer sperren nach 47 Jahren ihr Restaurant in Werfen in Pongau zu. Ein letzter Besuch.



Unser erster gemeinsamer Urlaub: unvergesslich. Was sonst! Fast 30 Jahre her. Die Reise führte uns damals über das Schloss Obermayerhofen in der Steiermark zum Hotel der Brüder Obauer in Werfen, dann weiter nach Cortina d’Ampezzo und schließlich zum Südtiroler Schloss Englar – und an jedem Punkt der Tour in ein mit Gault-Millau-Hauben und Michelin-Sternen dekoriertes Restaurant. (Außer auf der Großglockner-Hochalpenstraße, die war nur aus reinem Spaß am Autofahren Teil der Route.)


Als wir die traurige Kunde vernahmen, dass Karl und Rudi Obauer ihr einzigartiges, wundervolles Restaurant in Werfen im Salzburger Pongau am 26. Oktober 2026 schließen würden, war schnell klar, dass wir ein letztes Mal bei ihnen dinieren und übernachten mussten. In Erinnerung an unseren ersten Besuch am 1. September 1997.


Rudi (links) und Karl Obauer (rechts) mit dem legendären französischen Chef Paul Bocuse auf einem Foto, das im Stiegenaufgang ihres Hotels prangt.
Rudi (links) und Karl Obauer (rechts) mit dem legendären französischen Chef Paul Bocuse auf einem Foto, das im Stiegenaufgang ihres Hotels prangt.
Auszug aus der Frühstücks-Speisekarte.
Auszug aus der Frühstücks-Speisekarte.

Eine Übernachtung ist nicht nur deshalb Pflicht, weil eine Heimfahrt aus dem Pongau nach dem Dinner natürlich undenkbar ist, sondern auch, um in den Genuss des unglaublich opulenten Obauer-Frühstücks zu kommen.


Zur Anreise stand uns ein ganz spezielles Gerät zur Verfügung: der neue Roadster MG Cyberster GT. Er ist nicht weniger als das weltweit erste Cabriolet mit Elektroantrieb – ein Zweisitzer nach alter MG-Roadster-Tradition, allerdings elektrisch, mit Allradantrieb und 510 PS. Da schaut ein kleiner 1960er MG A oder sogar der übermotorisierte MG B GT V8 aus den Siebzigerjahren blass dagegen aus.



Das Auffälligste am Cyberster sind die Türen: Sie gehen nicht zur Seite, sondern nach oben hin auf. Bewegt werden sie von Elektromotoren. Sieht spektakulär aus, ist aber gar nicht unpraktisch – auch nicht beim Ein- und Aussteigen. Sensoren in den Türen achten darauf, dass sie nirgends anschlagen können, was manchmal dazu führt, dass sie nicht öffnen, wenn man zu nahe am Auto steht.



Für unsere Reise war der Cyberster genau das Richtige: zwei komfortable Sportsitze, ein Stoffverdeck, das man öffnen kann (auch während der Fahrt, so lange man nicht schneller als 50 km/h fährt), ein ausreichend geräumiger Kofferraum und eine angenehme Fahrwerkabstimmung, die dem gemütlichen Cruisen nicht grundsätzlich abgeneigt ist.


Wir gondelten durchs steirische Ennstal, vorbei an Gröbming, dem Start- und Zielpunkt der Ennstal Classic, vorbei auch an Schladming, Radstadt und Eben im Pongau, und bogen bei Bischofshofen ins Salzachtal ein – fünf Minuten später fuhren wir schon beim Hotel Obauer vor.


Werfen im Pongau, im Hintergrund: Burg Hohenwerfen.
Werfen im Pongau, im Hintergrund: Burg Hohenwerfen.

Werfen ist eine beschauliche Marktgemeinde, die Bundesstraße 159 führt hindurch, zum Obauer muss man aber von ihr abbiegen, in den Ort hinein. Man kann leicht daran vorbeifahren, bescheiden steht nur Restaurant-Hotel über dem Eingang.


Doch dahinter öffnet sich eine ganze Welt der Kulinarik und des Genusses, das geschmackvoll eingerichtete Restaurant, eine gemütliche Terrasse und wohnliche Zimmer. Vielmehr: öffnete sich. Ende Oktober 2026 ist es vorbei damit.


1979 hatte Karl Obauer, damals 24 Jahre alt, aber schon mit internationaler Küchenerfahrung, das Gasthaus Lebzelter von seinem Onkel übernommen. Sein jüngerer Bruder Rudolf, damals 18, begann eine Kochlehre in Salzburg. Ab 1981 arbeiteten sie zusammen: im Sommer in ihrem Gasthaus in Werfen, im Winter im Zürserhof am Arlberg, und wenn Zeit war, lernten die Brüder bei renommierten französischen Chefs die Finesse des Handwerks. 1982 erhielten sie die erste Haube des Guide Gault & Millau verliehen, 1984 eine zweite und 1996 auf Anhieb zwei Michelin-Sterne.


In keiner Sekunde fühlt man sich in diesem Restaurant in einem unnahbaren Gourmettempel, sondern eher so, als wäre man zum Abendessen bei einer großen Familie eingeladen, die eine Schar unendlich liebenswürdiger dienstbarer Geister beschäftigt und deren beide Väter in der Küche aus besten regionalen Zutaten grandiose Menüs zaubern. Die Gänseleber auf vier Arten mit Schalottenmarmelade zum Beispiel ist ein Gedicht, das gefolgt wird von einem „Betrunkenen Saibling“, dem rosa Rehschlögel und zum Abschluss einem Hollerkoch mit Sauer­rahm-Eis.

Es war – wieder – unvergesslich.



Das berühmte Obauer-Frühstück am nächsten Morgen dauerte länger als gedacht, noch ein Gang und noch ein Gang wurden aufgetragen, doch gegen Mittag saßen wir wieder in unserem MG und suchten in der Vorfreude auf die vor uns liegende Fahrt an diesem sonnigen Sommertag Trost dafür, dass wir unser letztes Menü bei den Brüdern Obauer genossen hatten.


Verdeck auf, natürlich – von Werfen ging’s diesmal durchs Lammertal und über den Pass Gschütt, das Tor vom Land Salzburg nach Oberösterreich. Der Hallstätter See tauchte vor uns auf, von da richteten wir den Roadster nordwärts aus: Bad Goisern, Bad Ischl, Ebensee, Gmunden. Es war ein strahlend schöner Sonntag, die Motorrad- und Cabriodichte die Seen entlang war hoch.


Ursprünglich stand MG für Morris Garages, weil Cecil Kimber dort ab 1923 brave Morris-Autos zu Sportwagen umbaute. Seit 2005 ist die Marke im Besitz des chinesischen SAIC-Konzerns.
Ursprünglich stand MG für Morris Garages, weil Cecil Kimber dort ab 1923 brave Morris-Autos zu Sportwagen umbaute. Seit 2005 ist die Marke im Besitz des chinesischen SAIC-Konzerns.

Der MG sieht aus wie ein Sportwagen, fährt sich aber wie ein klassischer Granturismo. Die 510 elektrischen PS und das massive Drehmoment von 725 Newtonmeter stellen in jeder Situation mehr als genügend Kraft bereit, dank der vier Antriebsräder kennt der Cyberster keine Traktionsprobleme (es gibt ihn übrigens auch mit 340 PS und nur Hinterradantrieb).


In Bad Ischl hielten wir an einer Ladestation und machten einen Spaziergang. Bis zu 433 km weit kommt der Cyberster GT, wenn die 77-kWh-Batterie bei der Abfahrt voll ist. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheint die dreistufige Rekuperation, weil man von der höchsten Stufe 3 nicht direkt zurück in die erste, niedrigste Stufe wechseln kann, sondern die Rekuperationswirkung schön der Reihe nach wieder reduzieren muss, drei, zwei, eins.



Auch das Cockpit verlangt eine gewisse Lernphase, bis man weiß, welcher der insgesamt vier Bildschirme – ein 10 ¼-Zoll-Display direkt im Fahrer-Blickfeld, flankiert von zwei 7-Zoll-Displays, und ein viertes in der Mittelkonsole für die Klimatisierung – welche Information bereitstellt und welche Funktionen wo eingestellt werden können. Doch das ist, wie die Sache mit der Rekuperation, nur eine Frage der Gewöhnung.

Und gewöhnen kann man sich schnell an diesen offenen Zweisitzer, seinen selbstbewussten Auftritt und seine angenehme, nie zum unnötigen Schnellfahren drängende Sportlichkeit.


Dass die Brüder Obauer zusperren, ist jammerschade. Aber unser letzter Besuch in ihrem Restaurant und Hotel wird uns, wie der erste, unvergessen bleiben.


MG Cyberster GT vor dem Tennengebirge.
MG Cyberster GT vor dem Tennengebirge.

MG Cyberster in Zahlen:


Cyberster Trophy: 250 kW (340 PS), 475 Nm Drehmoment, 0–100 km/h in 5,0 Sekunden, Vmax 195 km/h, WLTP-Reichweite 507 km, Hinterradantrieb, ab 61.840 Euro.


Cyberster GT: 375 kW (510 PS), 725 Nm Drehmoment, 0–100 km/h in 3,2 Sekunden, Vmax 200 km/h, WLTP-Reichweite 433 km, Allradantrieb, ab 66.840 Euro.


Länge/Breite/Höhe: 4.535/2.110/1.329 mm. Radstand: 2.690 mm.

Gewicht 1.885–1.985 kg. Kofferraumvolumen: 249 Liter.


Nähere Informationen: hier klicken.

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