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NEW YORK TRÄGT CAROLINA HERRERA SPRING 2027

Autorenbild: Alex Pisecker
Alex Pisecker
vor 3 Minuten
3 Min. Lesezeit

 „Quiet Luxury“ ist tot. Carolina Herrera hat andere Pläne. Für Spring 2027 zieht Wes Gordon die Lautstärke auf: mehr Farbe, mehr Haltung, mehr New York.


Carolina Herrera Spring 2027 - back to the roots.
Carolina Herrera Spring 2027 - back to the roots.

45 Jahre nach dem Debüt des Hauses wird das David H. Koch Theater im Lincoln Center zur Bühne für eine Frau, die nicht um Aufmerksamkeit bittet. Sie nimmt sie sich. Denn Herrera war nie dafür gedacht, im Hintergrund zu verschwinden. 1981 erschuf Carolina Herrera in New York eine neue Form von Weiblichkeit: elegant, kultiviert, glamourös – und immer mit einer gewissen Unverschämtheit. Gordon blickt für Spring 2027 auf diese DNA und stellt die entscheidende Frage: Wie würde diese Frau heute durch New York gehen?



Die Antwort ist eine „Lady Who Lunch“ mit deutlich mehr Tempo. Sie flaniert über die Park Avenue, winkt ein gelbes Taxi heran, hetzt zum nächsten Meeting und wechselt mühelos zwischen Uptown und Downtown. Ihre Vorbilder – C.Z. Guest, Diana Vreeland und Lee Radziwill – sind dabei keine nostalgischen Ikonen, sondern Ausgangspunkt für eine neue Generation von „Swans“.



Die Silhouette bleibt Herrera: präzise, feminin, dramatisch. Verlängerte Jacken treffen auf weit schwingende A-Linien-Röcke, Daywear auf fließende Abendlooks. Tweed, Baumwollpopeline, Gabardine und Denim bilden das Fundament; Chiffon, Organza, Metallic-Spitze und Gazar bringen Bewegung ins Spiel. Rüschen aus Hunderten exakt geschnittenen Organza-Streifen, kunstvolle Stickereien und silberne Lurex-Spitze demonstrieren die ganze Virtuosität des Herrera-Ateliers.



Und dann die Farbe. Schwarz, Weiß, Herrera Red und vor allem Taxi Cab Yellow treffen auf Ceramic, Sorbet, Powder, Cielo und Cucumber. Das ikonische Gelb ist dabei mehr als ein Farbakzent: Es ist New York in einem einzigen Ton. Gemeinsam mit Schwarz, Weiß und Polka Dots erinnert es an die Verpackung des ersten Carolina-Herrera-Duftes von 1988.


Polka Dots Impressions Spring 2027.
Polka Dots Impressions Spring 2027.

Auch die Accessoires verweigern sich jeder Zurückhaltung. Skulpturale Taschen explodieren förmlich vor Lederblumen, die Mimi Bag glänzt in Satin. Winzige goldene Frösche zitieren La Grenouille, während die Consuelo Bag mit Quasten zurückkehrt. Zebra-Broschen, übergroße Perlen und eine augenzwinkernde Hommage an den berühmten New Yorker Cookie bringen eine Dosis Pop und Ironie in den Glamour.

Für die Show inszenierte Bureau Betak New York als botanische Fantasie: Das David H. Koch Theater versank unter fast 30.000 gelben Tulpen. Nach dem Spektakel wurden sie gespendet und zu Mulch für New Yorker Parks verarbeitet. Glamour mit gutem Ende.



SPECIAL COLLABORATIONS

45 Jahre Herrera – drei New-York-Allianzen. Gemeinsam mit der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts wird Andy Warhols Porträt von Mrs. Herrera erstmals für ausgewählte Kreationen lizenziert. Das Bild erscheint unter anderem auf einem bestickten Minikleid und der Jacqueline Bag – eine Hommage an die Freundschaft zweier New Yorker Ikonen.



Mit The New Yorker wird Modegeschichte buchstäblich angezogen. Ein besticktes Kleid reproduziert das Cover der Ausgabe vom 27. April 1981 – jenes Tages, an dem Carolina Herrera ihre erste Modenschau im Metropolitan Club zeigte. Die Manhattan-Skyline von Lonni Sue Johnson wird vom Herrera-Atelier in feinster Handarbeit neu interpretiert.



Die dritte Liaison führt zu Taffin, dem Fine-Jewelry-Haus von James de Givenchy. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt bei 954 Madison Avenue und findet nun ihren Weg auf den Runway. Farbige Edelsteine, handgeformte Keramik und florale Motive treffen auf strukturierte Goldkugeln und einen Keramik-Gold-Ring, der die roten Lippen von Mrs. Herrera zitiert. Eine Halskette und die dazugehörigen Ohrringe bestehen aus mehr als 800 handgefertigten Keramikperlen.



45 Jahre später ist Herrera nicht leiser geworden. Im Gegenteil. Spring 2027 feiert Farbe, Freude und die Lust, sich sichtbar schön zu machen. Keine Nostalgie. Keine Ehrfurcht vor dem Archiv. Sondern New York, neu aufgeladen – und eine Frau, die weiß, dass Eleganz am aufregendsten ist, wenn sie ein wenig gefährlich wirkt.

 


FOTOS: Carolina Herrera

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