DIE LIEBLINGSUHR DES KING OF COOL

Die Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1.

FOTO: John Dominis/The LIFE Picture Collection/Shutterstock
Steve McQueen ist eine Hollywood-Ikone. Die glorreichen Sieben, Gesprengte Ketten, Bullitt, Le Mans, Thomas Crown. Er liebte schnelle Autos und Motorräder – und Uhren. Wie bei Filmschauspielern üblich, existiert eine Unmenge Fotos von Steve McQueen, auf einigen von ihnen trägt er eine Armbanduhr von Hanhart.
Hanhart ist ein Uhrenhersteller im Schwarzwald, gegründet 1882 in Diessenhofen in der Schweiz, 1902 nach Schwenningen in Deutschland übersiedelt, seit 1934 (erst zusätzlich, seit 1997 ausschließlich) im nahegelegenen Gütenbach ansässig. Das Unternehmen machte sich vor allem mit mechanischen Stoppuhren einen Namen, später auch mit Chronographen für männliche Handgelenke. Als auffiel, dass Steve McQueen eine Uhr des Hauses trug, kam jemand im Schwarzwald auf eine Idee.
Das legendärste Foto von McQueen mit einer Hanhart-Uhr zeigt ihn in seinem Haus in Palm Beach. Er sitzt in Poloshirt und hellen Jeans lässig auf einer Couch, trägt Sonnenbrille und weiße Turnschuhe ohne Socken und hält mit ausgestrecktem Arm einen Revolver im Anschlag, am rechten Handgelenk die Hanhart 417 ES. Diese Uhr entstand Mitte der 1950er-Jahre als Flieger-Chronograph für die Bundeswehr. Robustheit, Zuverlässigkeit und gute Ablesbarkeit bestimmten ihre Gestaltung. Das Kürzel ES stand für Edelstahl.
Willy Hanhart, der Sohn des Firmengründers, galt in der Branche als Stoppuhrenpapst. Ursprünglich war es gar nicht sein Plan gewesen, in das Uhrmachergeschäft seines Vaters Johann Adolf Hanhart einzusteigen. Willy wollte lieber studieren oder Karriere als Profisportler machen. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Unternehmens änderte er seine Pläne jedoch, wurde 1921 Firmenchef und begann, mechanische Stoppuhren zu entwickeln. Im Sport kannte er sich aus, da wurden sie gebraucht.
Hanhart war größter europäischer Stoppuhren-Produzent mit einem Marktanteil von bis zu 70 Prozent und hatte zeitweise rund 250 verschiedene Modelle für unterschiedlichste Anwendungen im Angebot.

Anders als bei anderen Uhrenherstellern ging der Weg zum Chronographen am Handgelenk bei Hanhart nicht von der Armbanduhr aus, die um eine Stoppfunktion erweitert wurde, sondern umgekehrt von der Stoppuhr, die stark verkleinert und um ein normales Uhrwerk ergänzt wurde. Das war in den 1930er-Jahren.
Die ersten Hanhart-Chronographen hatten neben der Krone nur einen einzigen Druckknopf, mit dem man die Zeitmessung erst starten, dann stoppen und schließlich den Zeiger wieder auf Null stellen konnte. Erst später setzte sich die heutige Form mit zwei Druckknöpfen durch: einer oben zum Beginnen und Beenden der Messung, einer unten zum Rückstellen. Das ermöglicht, eine Messung stoppen und dann wieder weiterlaufen lassen zu können.

Charakteristisch für Hanhart ist der rote untere Druckknopf. Die Frau eines Piloten im Zweiten Weltkrieg – so die Legende – soll den Drücker seiner Armbanduhr mit Nagellack rot angemalt haben, damit er bei jedem Blick auf die Uhr an sie denke. Die rote Markierung, die Hanhart in die Serienproduktion übernahm, hat aber auch eine praktische Funktion: Sie sollte Piloten davor warnen, den Knopf versehentlich zu betätigen und die gestoppte Zeit zurückzusetzen. So wurde der rote Drücker zu einem unverwechselbaren Merkmal der Hanhart-Chronographen.

Einen solchen trug Steve McQueen nicht nur auf dem ikonischen Foto mit dem Revolver. Die Uhr war auch in dem Film „Wir alle sind verdammt“ („The War Lover“) an McQueens Handgelenk zu sehen. Auch als der Schauspieler 1964 als Mitglied des offiziellen US-Teams mit seiner privaten Triumph an der Internationalen Sechstagefahrt (ISDT) teilnahm, einem Motorradrennen mitten in der DDR, trug er – wie immer rechts – seine Hanhart 417 ES. Sechs Tage lang prügelte er die Triumph durch den Thüringer Wald, als Startnummer trug sie seine Lieblingszahl: 278.
In Gütenbach im Schwarzwald hat man das lange nicht gewusst oder nicht beachtet. Das Geschäft mit den mechanischen Chronographen hatte man so gut wie aufgegeben und sich, neben den nach wie vor gebauten Stoppuhren, auf die Entwicklung und Herstellung eines Quarz-Uhrwerks verlegt, das über 40 Millionen Mal verkauft wurde, insbesondere an die Industrie. Quarzuhren kamen jedoch ab den 1970ern viel billiger aus Fernost, die Firma geriet in Turbulenzen. Mehrmals. 1997 begann Hanhart wieder Chronographen zu erzeugen. Der Neustart war wackelig, doch die 417 ES, die Uhr, die Steve McQueen so gut gefallen hatte, dass er sie oft privat und in Filmen trug, wurde wieder aufgelegt.
Und jetzt – ein Sondermodell, dem Schauspieler gewidmet: die Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1.

DIE PRÄSENTATION
Hanhart lud nach Gütenbach ein. Es kam eine bunte Schar von Gästen, angefangen beim YouTuber aus Southampton über den deutschen Uhrenliebhaber aus Dubai oder das Sammlerehepaar aus Melbourne bis hin zu ausgewiesenen Fachjournalisten. Felix Wallner und Simon Hall, die beiden Hanhart-Geschäftsführer, wollten die Gäste emotional mit dem Geist des Racers und Sportwagenenthusiasten Steve McQueen verbinden, weshalb sie eine Ausfahrt mit einigen klassischen Automobilen geplant hatten. Sie hatten sich echt ins Zeug gelegt, und so standen unter anderem ein 1955er Mercedes 190 SL, ein gleich alter Porsche 356 Speedster und zwei 911er aus den Siebzigerjahren (Porsche war McQueens liebste Automarke), zwei Ford Mustangs und eine Corvette C3 bereit. Ich wählte das am wenigsten mcqueene Auto von allen: den 1974er Citroën DSuper mit Hydropneumatikfahrwerk und Lenkradschaltung. Die anderen kannte ich alle schon.
Wir näherten uns dem Geist Steve McQueens mit Schwarzwälder Behutsamkeit. Die Ausfahrt orientierte sich nicht an seinen einschlägigen Filmszenen. Es gab keine quietschenden Reifen und keine Sprünge über die Hügel von San Francisco, unter anderem, weil wir uns im Schwarzwald befanden, aber auch, weil die Geschwindigkeit des Konvois, gut kontrolliert von einem Vorausfahrzeug, vorsichtshalber eher im niedrigen Bereich gehalten wurde. Es war dennoch sehr schön und ich kam sogar einige Male bis in den vierten Gang.

Einer der Teilnehmer war entzückt von dem 1977er Porsche 911 S, den er ausgefasst hatte – er war zwar schon zuvor Porsche gefahren, erzählte er mit leuchtenden Augen, aber nie auf öffentlichen Straßen, nur auf der Rennstrecke. Ein Engländer wollte gar nicht mehr aus seiner 1969er Corvette Stingray aussteigen, ihn begeisterte nicht nur das spektakuläre Auto im Coke-Bottle-Design, sondern auch die Tatsache, dass er links saß und das Lenkrad vor sich hatte.
Bei einigen der Gäste stellte sich also durchaus, wie von Hanhart beabsichtigt, auf der Fahrt über kleine Schwarzwälder Landstraßen ein gewisses Steve-McQueen-Feeling ein. Doch der Höhepunkt sollte noch kommen.
Zurück im Hanhart-Hauptquartier – ein schmuckloses Industrie- und Verwaltungsgebäude, das sich innen als verwinkeltes Labyrinth darstellt. Durch dieses wurde die illustre Schar an Gästen nun geführt. Felix Wallner und Simon Hall erwiesen sich als unterhaltsame Conferenciers, als sie die Geschichte des Hauses erzählten sowie einzelne Entwicklungs- und Produktionsschritte der komplizierten Uhrenherstellung präsentierten.
Hanhart-Geschäftsführer Felix Wallner (oben) und Simon Hall.
Hanhart hat insbesondere im Stoppuhrenbereich einen hohen Anteil an Eigenfertigung, aber nicht, weil man so gerne möglichst alles selbst machen will, sondern weil nach und nach viele Zulieferer aufgeben mussten. Spezialisten für bestimmte Einzelteile gerieten wegen zu geringer Stückzahlen in Insolvenz, ihre maßgefertigten Maschinen waren für andere Branchen unbrauchbar und auf dem freien Markt unverkäuflich. Hanhart wiederum brauchte jedoch genau die von diesen produzierten Bauteile weiterhin – oft blieb also nichts anderes übrig, als die Spezialmaschinen aus der Konkursmasse auszulösen und die Fertigung der für die Uhrenproduktion benötigten Teile in die eigene Hand zu nehmen.
Bei der Präsentation in Gütenbach wurde es nun spannend – ein besonderer Gast sollte dem Ereignis per Videoschaltung aus Los Angeles beiwohnen: Chase McQueen, der Enkel des Hollywood-Stars, der gemeinsam mit seiner Schwester Madison dessen Erbe verwaltet. Trotz der frühen Stunde – in Kalifornien war’s sieben Uhr früh – erschien der 31-Jährige in bester Laune auf dem großen Screen und plauderte fröhlich über seinen Großvater, den er nie kennengelernt hatte. Chase und Madison führen heute das von ihrem Vater Chad 2010 gegründete Unternehmen McQueen Racing für Hochleistungs-Autos und Motorräder und engagieren sich in der jährlich stattfindenden The Friends of Steve McQueen Car and Motorcycle Show (nächster Termin: 4. bis 6. Juni 2027 in Chino Hills, Kalifornien).

Es sei eine große Ehrung für seinen Großvater, seine Schwester und die ganze Familie, dass dessen Lieblingsuhr von Hanhart neu auf den Markt gebracht werde, sagte Chase McQueen artig. Und außerdem höchst exklusiv: Die Hanhart 417 ES Steve McQueen Limited Edition No. 1 wird es nur 300 Mal geben. Sie ist dem Original teilweise bis ins Detail nachempfunden und weist doch deutlich erkennbare Unterschiede auf.

So trägt das Zifferblatt zum Beispiel, relativ klein, Steve McQueens Unterschrift. Die Idee dazu stammt von Chase und Madison. Die beiden haben dafür eine Original-Signatur ihres Großvaters gesucht und eingescannt, die sich von jener auf vielen Autogrammkarten unterscheidet. Chase erklärt das so: „Durch häufiges Autogrammschreiben hat sich seine Unterschrift mit der Zeit verändert, doch diese Signatur ist älter und sein Name gut lesbar. Dieser Schriftzug ist sonst nirgends öffentlich zu sehen.“
DIE UHR
Das 39 Millimeter große Edelstahlgehäuse des Chronographen hat einen verschraubten Saphirglasboden. Darunter arbeitet das Handaufzugswerk AMT5100M mit Flyback-Funktion und einer Gangreserve von mindestens 58 Stunden. Das Saphirglas vor dem Zifferblatt ist stark gewölbt, trotzdem ist die ganze Uhr nur 13,3 Millimeter flach. Und wasserdicht bis 10 Bar. Die Zeiger und Ziffern sind in der Farbe Light Old Radium beschichtet, heben sich klar vom mattschwarzen Zifferblatt ab und bleiben auch bei Dunkelheit gut ablesbar.
Eines der historischen Details: Steve McQueen trug seine Hanhart 417 ES, wie die Fotos zeigen, an einem dunkelbraunen Armband, das Cuff Strap heißt. Dabei läuft das Lederband durchgehend unter dem Uhrgehäuse durch. Das hat Hanhart in der Sonderedition aufgegriffen, das Cuff Strap besteht bei ihr aus einem besonderen, pflanzlich gegerbten Leder der italienischen Gerberei Comipel, Shell Cordovan genannt.

Der Chronograph kommt in einer Box, die neben der Uhr selbst eine Plakette mit der individuellen Limitierungsnummer enthält, weiters eine Karte, auf der die Limitierung bestätigt wird. Sie ist McQueens internationaler FIM-Rennlizenz von 1964 nachempfunden und trägt die Unterschriften seiner Enkel Chase und Madison. Und schließlich liegt der Box auch noch ein Fläschchen roter Nagellack bei, als Anspielung auf die Legende des roten Druckknopfs.
Als die Herren aus dem Schwarzwald mit ihm Kontakt aufgenommen hatten, erzählt Chase grinsend, habe er Steve McQueens Witwe, die Schauspielerin Neile Adams, nach der Hanhart 417 ES gefragt, die er so gern getragen hatte. Er wollte sie sehen. „Excuse me, honey“, habe seine Oma geantwortet, „ich bin 94, ich habe keine Ahnung, wo Steves Uhr geblieben ist. But I can tell you: He fucking loved that watch.“
FOTOS: Christian Skalnik (20), Peter Pisecker (5), Hanhart (11)
.png)



Kommentare