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KASIMIR SUCHT EIN NEUES ZUHAUSE

  • Autorenbild: Peter Pisecker
    Peter Pisecker
  • 15. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Ein wunderschöner 1971er VW Karmann-Ghia steht zum Verkauf, wenn auch ungern.



Nur wenige wissen, dass das Aussehen des VW Karmann-Ghia auf eine Zusammenarbeit der Karosseriefirma Ghia mit dem Chrysler-Konzern zurückgeht. Dessen damaliger Chefdesigner Virgil Exner gab nämlich 1953 in Turin den D’Elegance in Auftrag, eines von mehreren Konzeptfahrzeugen, die aus dieser amerikanisch-italienischen Kooperation hervorgingen. Es wurde aber kein Serienauto daraus.


Chrysler-Ghia D’Elegance von Virgil Exner, 1953.
Chrysler-Ghia D’Elegance von Virgil Exner, 1953.

Als VW kurz danach bei Ghia anklopfte und ein schnittiges Coupé bestellte, das auf die Bodenplatte des VW-Käfers passen sollte, entstand ein sportlich-flaches Modell, das vor allem im Bereich der hinteren Radausschnitte stark an Exners (deutlich größeren) D’Elegance erinnerte. Es ging als Volkswagen Typ 14 in Serie, die Fertigung der Karosserie im Ghia-Design wurde der Firma Karmann in Osnabrück übertragen.


443.466 dieser eleganten Karmann-Ghias konnte VW von 1955 bis 1974 verkaufen, ungefähr viereinhalb Mal soviele Coupés wie Cabrios und mehr als die Hälfte davon in den USA. Eines dieser Coupés landete in Kärnten bei Marion und heißt Kasimir.



Kennengelernt haben sie einander 1985, als Marion maturierte; da war Kasimir zarte 14 Jahre alt. Damit ist sie schon länger mit ihm zusammen als mit Martin, ihrem Mann.


Kasimir ist rot mit schwarzem Dach und picobello beisammen. Kein Wunder, stehen ja nicht mehr als 43.800 Kilometer auf dem Tacho – das heißt, er ist im Schnitt nur knapp 800 Kilometer im Jahr gefahren worden. Seit 1985 sorgt Marion für ihn, hegt ihn und pflegt ihn und fährt ihn genussvoll an sonnigen Tagen. Sogar Ledersitze hat sie ihm spendiert. Ein Gutachter hat Kasimir vor einigen Jahren die Zustandsnote 2 bescheinigt, das bedeutet: Mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren.


Liebhaberfahrzeug nennt man das. Auch ältere VW-Käfer können Liebhaberfahrzeuge sein, wenn sie gut gepflegt sind oder gekonnt restauriert wurden. Nur war der Käfer immer ein Gebrauchsfahrzeug, ein Karmann-Ghia nie. Wer einen Karmann-Ghia kaufte, sah den Nutzwert höchstens als willkommenen Zusatzeffekt. Es mag sogar vorgekommen sein, dass jemand die Räumlichkeiten eines VW-Händlers betrat, um einen Käfer für den Alltagsbetrieb zu kaufen, und den Schauraum als glücklicher Karmann-Ghia-Besitzer verließ.



Anfangs hatte der Karmann-Ghia den gleichen luftgekühlten 1,2-Liter-Boxermotor wie der Käfer, erst mit 30, dann 34 PS; ab 1965 kamen immer größere Vierzylinder zum Einsatz: 1,3 Liter mit 40, 1,5 Liter mit 44 PS. Marions Kasimir hat schon den 1600er mit 50 PS im Heck und Scheibenbremsen vorne. „Zu wahren Höchstleistungen läuft er am Berg auf“, erzählt Marion, „deshalb war die Nockalmstraße immer unser liebstes Ausflugsziel.“


Kasimir ist übrigens käuflich. Marion will sich nach 41 gemeinsamen Jahren von ihm trennen, „natürlich mit mindestens einem weinenden Auge“, wie sie sagt. Billig ist er nicht, gut über 30.000 Euro muss man schon bereithalten, wenn man Kasimir bei sich aufnehmen möchte. Aber so ist das halt mit Liebhaberautos: Sie steigen im Wert.


Wer ernsthaftes Interesse und das nötige Kleingeld hat, kann Marion ja unverbindlich anrufen: 0699 1822 3588.


FOTOS: RM Sotheby’s (1), kaerntenphoto

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